Bitcoin notiert derzeit rund 50 Prozent unter seinem theoretischen Fair Value, der sich aus der globalen Geldmenge M2 ergibt.
Der Bitcoin-Kurs bricht derzeit eine seiner zuverlässigsten historischen Regeln. Die globale Geldmenge M2 ist seit Mitte 2025 um rund 12 Prozent gestiegen, während der Bitcoin-Kurs im selben Zeitraum um etwa 35 Prozent gefallen ist. Diese Diskrepanz stellt die These infrage, dass Liquidität den Kryptomarkt treibt - eine Grundannahme des letzten Zyklus.
Zwei Faktoren treiben diese Entkopplung voran: restriktive Zinsen dämpfen die Risikobereitschaft der Anleger, während steigende Energiekosten die Margen der Miner unter Druck setzen. Beide Entwicklungen wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.
Der aktuelle Kursabstand ist erheblich. Laut CF Benchmarks liegt der implizite Fair Value bei 136.000 US-Dollar basierend auf historischen M2-Korrelationen. Bitcoin notiert jedoch bei rund 70.000 US-Dollar - eine Differenz von 66.000 US-Dollar. Gabe Selby, Head of Research bei CF Benchmarks, bezeichnet dies als eine der größten jemals verzeichneten Diskrepanzen zwischen der Kryptowährung und ihrer monetären Grundlage.
Das Problem sei nicht die Liquidität selbst, sondern deren Übertragung auf den Kryptomarkt. Die US-Notenbank Fed hat ihre Bilanz von fast 9 Billionen auf 6,7 Billionen US-Dollar reduziert. Hohe Zinsen bieten Anlegern eine garantierte Rendite und machen den Fall für nicht verzinsliche Anlagen wie Bitcoin unattraktiv. Kapital fließt nicht in risikoreiche Anlagen, wenn Staatsanleihen attraktive Erträge bieten.
Die globale Geldmenge hat demnach keine Wirkung, wenn die Pipeline an der Quelle blockiert ist. Die Liquidität existiert, erreicht den Kryptomarkt aber nicht. Ein Kurswechsel der Fed-Politik könnte diese Blockade aufheben. Bis dahin bestimmt die reale Verzinsung und nicht die Geldmenge das Geschehen.
Ein weiterer Belastungsfaktor sind die Miner. Steigende Energiepreise erhöhen die Produktionskosten und drücken die Margen. Miner sind gezwungen, Bitcoin zu verkaufen, um operative Ausgaben zu decken. Dies schafft einen konstanten Verkaufsdruck, der jeden Aufschwung begrenzt.
Die ETF-Daten spiegeln diese Fragilität wider. US-Spot-ETFs verzeichneten über sieben Sitzungen Zuflüsse von 1,16 Milliarden US-Dollar, gefolgt von einem Ausfluss von 129 Millionen US-Dollar an einem einzigen Tag, was zu einem sofortigen Kursrückgang von 4 Prozent führte.
Marktteilnehmer beobachten die Marke von 69.000 bis 70.000 US-Dollar als unmittelbare Unterstützung. Ein Bruch dieser Zone könnte die mittleren 60.000er öffnen. Ein Anstieg über 72.000 US-Dollar würde signalisieren, dass die M2-Verzögerung endlich aufgelöst wird.
Laut Liquiditätsdaten ist ein Kursanstieg überfällig. Die Marktdaten deuten jedoch anderes an. Solange die Fed ihre Politik nicht ändert oder die Energiekosten nicht sinken, hat jeder Aufschwung ein Deckel und die Bullen müssen das Gegenteil beweisen.